Kommentatort 84: Tatort “Die chinesische Prinzessin”

Der neue Münsteraner Tatort “Die chinesische Prinzessin” schockiert die Fans mit Ernst und Verzicht auf Kalauer.

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Das wir das noch sehen dürfen: Boerne trägt Blaumann!
Boerne lacht! Boerne dankt und schnibbelt nicht an Leichen rum!

Einsatzbesprechung

Der Tatort Münster kann auch ernst: die teilweise etwas krause Geschichte von chinesischen Dissidenten, Kulturattachés, Agenten und Triaden lässt etwas im Thiel-Boerne-Tatort Exotisches erkennen (auch die verwendeten Untertitel betonen das Fremde im [Allzu-]Vertrauten) -: eine Operation an den geläufigen, abgegriffenen Klischees, eine Geschichte jenseits der Kalauer, ein Mord, der nicht nur dem gehobenen Wortspiel zuliebe stattfindet, einen für seine Verhältnisse geradezu nachdenklicher, menschlichen Regungen nicht abholder Professor Boerne sowie einen Kommissar Thiel, der ohne Not am Mann laut krachend klassische Musik hört, Rotwein aus dem Bierkrug trinkt und sich – beinahe – mit der Assistentin Krusenstern vergnügt.

Was vom Tatort “Die chinesische Prinzessin” bleibt

Was Professor Boerne erleidet, wenn er auf einmal weder einen Spruch weiss, noch eine Ahnung hat, ob er in den Mord verwickelt ist oder nicht (hat er doch jede Menge [nein! {sagt Staatsanwältin Klemm}, nicht Fugenkitt, sondern] Koks intus), ist ein Fall akuter Amnesie und kein plötzlicher Anfall von Naivität, wie er so schön sagte: dass er doch noch zu einem seiner Sprüche kommt, beruhigt in diesem sehenswerten, fast unorthodoxen Film.

Note auf der «Freunde bis in den Tod»-«Nie wieder frei Sein»-Skala: 5.

in eigener sache

Der Kommentatort, das ist voller Einsatz für den Tatort: genauer, ein Satz pro Tatort. Anriss, Bild mit Epigramm, Einsatzbesprechung, Benotung – mehr braucht’s nicht.

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