Kommentatort 47

Echt zu echt um echt zu sein: TV-Krimis in der Malaise

Diesen Sonntag ermitteln Kommissar Borowski und Sarah Brandt im neuen Kieler Tatort „Der freie Fall“ einen doppelten Todesfall. Einer ist zeitnah, der andere liegt weit zurück – und ist aus dem echten Leben gegriffen. Ganz kurz gefasst, ohne Spannungsbögen vorwegzunehmen (dafür lese man kommenden Sonntag um 21:45 Uhr den Kommentatort 47), geht es darum, dass ein Autor, Journalist und Unternehmer tot gefunden wird. Was nach Selbstmord aussieht, zieht die Aufmerksamkeit der Mordkommission auf sich. Der Tote ermittelte im Todesfall des deutschen CDU-Politikers Uwe Barschel und hatte Verbindungen ins höchste Polit-Establishment.

Gestaltungstherapie in Sachen Abmurksen

Ein (Selbst-)Mord, der sich ins kollektive Bewusstsein eingebrannt hat, eine Reihung von Zufällen, geheimdienstliche Kabale und eine Spur bis hinauf zum Ministerpräsidenten: diesen Sonntag wird viel unternommen, um dem Tatort plausible Spannung von beklemmender Wucht zu verleihen, die von einem in der Realität verankerten Todesfall herrührt. Zu oft wird ja im Tatort zu geradezu sauglattistischen Abmurksmethoden gegriffen. Da wird in Zimmerbrunnen ertränkt (von zwei verschiedenen, voneinander unabhängig agierenden Mördern) oder von posttraumatischen Belastungsstörungen geplagte Bundeswehr-Afghanistan-Scharfschützen ballern als Friedensengel verkleidete Aktionskünstlerinnen ab.

Kunst kommt von Kompromisslosigkeit, und der tote Engel schiesst den Vogel ab. (zVg)

Da gibt es Politiker, die zwecks Steigerung ihrer Wahlchancen buchstäblich über die eigene Leiche gehen, und überambitionierte Tennis-Wunderkind-Familien, die für den Durchbruch des Sprosses einen Kritiker in Stücke hacken. Der Fantasie der Tatortmacher sind keine Grenzen gesetzt, getreu dem Motto: “Wenn schon tot, dann richtig!” – Fast fühlt sich der Kommentatort angesichts von so viel Gestaltungstherapie in Sachen Abmurksen bemüssigt, den Kabarettisten César Keiser einmal nicht ganz im Wortlaut zu zitieren:

Vom Sterben und Morden,

von Leichen in Kisten

leben hundert Illustrierte

und Tatort-Besten-Listen!

Der Tatort kommt nun einmal – was nicht immer so war, wie wir noch sehen werden! – nicht mehr ohne Mord aus. Nicht irgendein Mord, sondern bitteschön einen Mord in den ersten fünf, zehn Minuten. Ohne die Möglichkeit, auf den Mord ganz zu verzichten, entfällt ein Distinktionsmerkmal zwischen den verschiedenen Tatortredaktionen, und in der Folge versucht man sich gegenseitig zu übertrumpfen mit immer absurderen Morden. Nur die wenigsten Tatorte beschränken sich auf die essenziell abscheuliche Natur des Tatvorgangs. Mit der beklemmenden Banalität eines Mordes scheint heute – siehe Tatort Münster und Wiesbaden als volkstümliches beziehungsweise intellektualistisches Cabaret! – keiner mehr aufs Sofa zu locken zu sein. Nur in der Verkomplizierung dieses fremdbestimmten Ende eines Menschenlebens scheinen die Redaktionen noch Potenzial zu orten: “Mehr ist mehr, ein Mord nicht genug” (siehe etwa die Gaga-Balkan-Ballerei neulich in Wien). Selten sind die Fälle, die auf einen Bierdeckel passen, die nach dem Motto verfahren: “Weniger ist mehr, ein Toter bereits zu viel.”

Viel zu viel in nur einem Film

Man legt einfach zu viel in die Filme (gesellschaftsrelevante Problemdiskurse, Wirtschaftsnachrichten, Verschwörungstheorien) – ganz uneingedenk der Tatsache, dass tatsächliche Polizeiarbeit wohl mehr mit dem Abtragen von Aktenstapeln und dem Schlangestehen an Kaffeeautomaten zu tun hat als mit Schiessereien und Verfolgungsjagden. Um ‚plausible’ Ermittler einzuführen, greift man auf den ganzen Klischeefundus von Scheidungen, traumatischen Verlusten, Alkohol und Medikamenten, Geheimdienstkarrieren und dergleichen zurück. Dabei geht vergessen, dass Afghanistan nicht am Bodensee liegt und der einzige wirklich konsequent auf das geheimdienstliche Element bauende Tatort neulich mit einem fulminanten Schlussakkord ad acta gelegt wurde: Angeblich, weil der jedes Mal in eine neue Rolle schlüpfende Landeskriminalamt-Ermittler Cenk Batu dem Publikum zu wenig Wiedererkennungswert geliefert habe. Viele der Strategien, um die Tatorte plausibler zu machen, verfangen also nicht wirklich.  Ein Mord aus dem Affekt samt rascher Aufklärung mag dem echten Leben näher kommen, ist jedoch weniger formidabel auf neunzig Minuten einzurichten als irgendein verschwurbelter, mit allerlei Tanzeinlagen des betreffenden Kommissars aufgehübschter Mord im Ex-RAF-Milieu. Die drei bis zehn Tage forciertes Klinkenputzen durch die Kripo, die die Aufklärung eines echten Mordes gemeinhin dauert, sind nun einmal nicht besonders telegen, und für die sonntägliche Primetime erst recht nicht geeignet.

Sachdienliche Hinweise von den „Tatort-Fans”

Da kommt die Ankündigung des neuen Kieler Tatorts wie gerufen: ein wenig Realismus hat schliesslich noch keiner TV-Fiktion geschadet. Den Kommentatort hat die Ankündigung von “Borowski und der freie Fall” jedenfalls dazu bewogen, sich auf Spurensuche zu begeben. Ich wollte herausfinden, in welchen anderen Tatorten reale Fälle fiktionalisiert wurden. Diese Suche nach solchen ‚echten’ Tatortfällen hätte nicht zu den jetzigen Resultaten geführt, wenn nicht die grossartigen Nutzer der Facebook-Gruppe “Tatort-Fans” sich zahlreich auf meinen Aufruf hin mit sachdienlichen Hinweisen gemeldet hätten. Ihnen allen sei hiermit gedankt.

Balkon-Monster Backhaus

Einen realen Fall als Grundlage hatte der Münsteraner Tatort “Wolfsstunde“. Hier ging, gleich wie um die Jahrtausendwende in Hannover und Umgebung, ein Serienvergewaltiger um, der seine Opfer in den eigenen Wohnungen überfiel. Weil er über deren Balkone oder Terrassen einzudringen pflegte, wurde er von der BILD-Zeitung, aber auch vom Nachrichtenmagazin STERN (4. Januar 2001), “Balkon-Monster” genannt. Hans-Joachim Backhaus heisst der letztlich nur durch einen Zufall überführte Serienvergewaltiger. Tagsüber war Backhaus ein unauffälliger Angestellter, freundlich, grosslippig, ein Aufschneider, stets pünktlich und verlässlich, ein dufter Kerl, wie der STERN zu berichten wusste. Nachts aber – zur Wolfsstunde! – mutierte er zum Scheusal. Nach mehreren erfolglosen Entführungsversuchen stieg der 38-jährige Backhaus auf einen perfiden, noch viel brutaleren Plan um. Anstatt zu versuchen, seine Opfer zu entführen, verlegte er sich darauf, sie dort zu treffen, wo man es nie und nimmer erwarten würde, dort, wo man sich am sichersten fühlt. Es ist der ultimative Horror und Alptraum: Bei sich zu Hause sein, dort, wo man sich heimisch fühlt und heimelig, und plötzlich gerät man in die Gewalt eines Einbrechers und Vergewaltigers. Das ist mehr als ein Einbruch, das ist ein alles erschütternder Anschlag auf alles Empfinden von Welt und Sicherheit.  Bis man ihn verhaften konnte, brach Backhaus noch bei ungezählten Opfern ein, vergewaltigte und raubte sie aus. Er wurde immer dreister. So gönnte er sich zwischen seinen Verbrechen auch schon mal eine Verschnaufspause, bediente sich am Kühlschrank, schaute TV. Nicht von ungefähr fühlt man sich bei der Beschreibung dieses Täterprofils an den von Lars Eidinger beängstigend brillant verkörperten Mörder aus “Borowski und der stille Gast” erinnert.

Aufgepfefferter ‚echter’ Fall

Die Macher von “Wolfsstunde” mussten den tatsächlichen Fall jedoch ein wenig aufpfeffern, denn das Balkon-Monster Backhaus war kein Mörder. Um ins Sende-Schema zu passen, wurde das in der eigenen Wohnung vergewaltigte Opfer umgebracht. Bald begann, genau gleich wie im echten Leben, der Boulevard die Angst vor dem Täter zu schüren. Kommissar Thiel setzt sich gegen voreilige Schlüsse, vorgetragen von der rau(-ch-)beinigen Staatsanwältin Klemm wie vom klobrillenbärtigen Herr Professor Doktor Boerne, zur Wehr. Thiel sollte natürlich Recht behalten, Boernes Klügeleien ins Leere zielen und alle zusammen am Ende wie dressierte Seehunde in die Hände klatschen. Der Eindringling in fremde Leben, der es schafft, unbehelligt zu verschwinden, ist eine so unheimliche Figur, dass der für die “Wolfsstunde” hinzugeschriebene Mord nur noch Beigemüse ist, während das abgrundtief Böse bereits im Überfall begraben liegt.

In der Klemme ist, wer nicht Klemms Meinung ist. Staatsanwältin Klemm hat Zeitung gelesen. (zVg)

Neues Frankfurter Team, neue Frankfurter Schule?

In Frankfurt hatte man den grandiosen Einfall, die neuen Ermittler Steier und Mey anhand von Fällen einzuführen, die sich so im echten Leben zutrugen. Pate stand der neudeutsch: ‘Profiler’, Beamtendeutsch: “zertifizierter polizeilicher Fallanalytiker” genannte Kommissar Axel Petermann. Unter der Fittiche dieses langjährigen Mordfall-Ermittlers gelangen Fälle, die sich vielen Trends widersetzten. Dadurch, dass mit Petermann ein tatsächlicher Ermittler, der womöglich von seinen Fällen bis hinab in den Schlaf verfolgt wird, die Dreharbeiten begleitete, gewinnen diese Fälle beklemmende Authentizität. Natürlich hat man auch in diesen Fällen ab und an den Eindruck, dass da ein Drehbuchschreiber nicht an sich halten konnte. Dieser Eindruck trügt jedoch; Realismus ist hier in der Fallaufklärung ganz oben auf der Liste (eine Revolution im Tatortland; die Figurenzeichnung ist da schon eher tatorthodox). Axel Petermann widmete sich den in seinem Buch verarbeiteten Fällen mit Haut und Haaren. Er wollte nicht nur den Opfern Gerechtigkeit zukommen lassen, sondern auch verstehen, was die Mörder antrieb. Mit dem Mörder aus dem Fall, der in Frankfurt für den Tatort “Es ist böse” verwendet wurde, baute er über die Jahre sogar eine Beziehung auf, besuchte ihn im Gefängnis: So viel Hingabe und Aufopferung des Produktions-’Einflüsterers’ wirkt sich auf die Glaubwürdigkeit des Filmes aus, da auf vielerlei Schnickschnack verzichtet werden kann.

Fiktion überholt Realität

Dieser Frankfurter Realismus ist nicht neu. Schon in der Anfangszeit des Tatorts sorgte der Frakfurter mit Realitätstreue für Schlagzeilen. So weiss www.tatort-fundus.de zu berichten, dass der insgesamt erst sechste Tatort, ein Film namens “Frankfurter Gold” seinerzeit für Aufsehen sorgte (Erstausstrahlung am 4. April 1971). Damals überholte die Fiktion die Realität. Es ging um einen schweren Betrugsfall, indem sich ein Finanzgenie mit ‘selbstgemachten’ Gold Hunderttausende Mark ergaunerte. Dieser Tatort nahm mit einem Gemisch aus Blei, Kupfersulfat und einer hauchdünnen Goldschicht ironisch Nixons überraschende Aufhebung des Goldstandards (Sommer 1971) vorweg. Natürlich dürfte man gegenüber der Fiktion des Goldmachens in einer Stadt wie Frankfurt längst nicht nur wegen dem dortigen Sitz verschiedener Grossbanken aufgeschlossen gewesen sein. Auch literarisch lässt es sich mit einem solchen Pfund bekanntlich trefflich wuchern. Solches Goldpanschen wirkt heutzutage angesichts hochkomplexer Derivate, die nicht einmal mehr von ihren Schöpfern durchschaut werden, geradezu drollig. Heute muss keiner mehr mit Blei und Kupfersulphat umgehen können, um noch weitaus Giftigeres herzustellen als ein paar gefälschte Goldbarren. Heutige Wirtschaftsverbrechen haben ein Zeitfenster im Nanosekundenbereich. Auch kommt kein Tatort mehr ohne Mord aus. Nicht so 1971 in “Frankfurter Gold”, einem Film, der lange als Höhepunkt der jungen Reihe galt. In dieser Anfangszeit kam es vor, dass Tatortermittler (vergleichbar mit ihren DDR-Pendants, die sich überzufällig häufig mit Eigentumsdelikten auseinanderzusetzen hatten) in anderen Dezernaten, nicht nur bei der Mordkommission, ermittelten. Das scheint heute, wo die Tatorthodoxie “Leiche her, aber dalli!” immer leb- (man beachte den Kalauer!), zusehends aber auch immer liebloser durchgezogen wird, weit, weit weg.

In dubio pro TV

Im Fall von ‘Frankfurter Gold’ kam der Tatort dem realen Prozess um den Betrüger und Goldmacher zuvor. Der Eintritt des HR in den Tatortverbund war ein Skandal: Sich keinen Deut um den Grundsatz ‘in dubio pro reo’ kümmernd (der nun freilich im TV mittlerweile einen noch viel prekäreren Stand hat, aber das ist ein anderer Essay), wurde der Betrüger in diesem Tatort, wenn schon nicht rechtskräftig, so wenigstens quotenträchtig verurteilt. Nicht wenige Beobachter sprachen damals von einer “TV-Hinrichtung“. Die Verteidiger des Betrügers versuchten nach Ausstrahlung des Tatorts, eine Auswechslung der Geschworenen und des begutachtenden Psychiaters zu erwirken. Dabei hatten die Tatortmacher nichts anderes getan, als sich an die sich herauskristallisierenden ARD-Tatort-Gewohnheiten zu halten. Der Betrüger Johannes Stein aus dem Tatort war dem tatsächlich angeklagten Betrüger Joachim Blum bis ins Detail nachgezeichnet. Der Film war geprägt von einem dokumentarischen Stil, der auf Interviews mit dem Betrüger wie mit den Geprellten basierte. Noch während der Prozess im echten Leben lief, wurden die involvierten Parteien am Bildschirm aussergewöhnlich differenziert gezeigt: Die Schauspieler hatten Fotos, Tonbände, Akten studiert, hatten sich Dialekt und Habitus ihrer Figuren angeeignet, die Regie hatte alles getan, um Lokalkolorit einzuarbeiten. Der Realitätsbezug wurde dadurch verstärkt, dass der von Klaus Höhne verkörperte Ermittler am Anfang des Films die betreffende Akte aufschlug, um sie am Ende wieder zu schliessen. Es ist kein Wunder, dass sich Höhne rückblickend mit Eduard Zimmermann von “Aktenzeichen XY” verglich. Genau wie jener sei es ihm darum gegangen, die Zuschauer mit Argumenten und Indizien zu versorgen, auf dass sie in die Lage kämen, einen realen Fall vom Sofa aus zu lösen. Im Gegensatz zu Zimmermann aber war dieser erste Frankfurter Tatort nicht nur Polizeibericht, sondern wies auch komödiantische Elemente auf.

Wie hat der Zimmermann das geschafft?

Sowieso fragt sich der Kommentatort je länger desto mehr, warum früher Eduard Zimmermann mit seinem reduktionistischen “Aktenzeichen XY – ungelöst” so viel Gänsehaut erzeugte. Hier war doch schon nach der Anmoderation klar, was gleich geschehen würde, wenn Frau Meier die Abkürzung durch den Wald oder Herr Müller die Treppe im nächtlichen Parkhaus nahm. War es die fehlende Verlaufsspannung und die ausbleibende Streuung störender Ablenkungen? Warum erinnert ausgerechnet das Münchner Glanzlicht “Nie wieder frei sein” in den schockierenden Startminuten so sehr an die karge Ästhetik des “Aktenzeichen XY”? Was machte den Schrecken von “XY” in den Neunzigerjahren aus: die Unabwendbarkeit des Kommenden, die Telefonistinnen im Hintergrund, die die Hinweise aus dem Publikum in Echtzeit aufnahmen, oder lag es an der eigenen Medienbiografie, daran, dass man noch nicht von Mankell und Co., aber auch noch nicht vom x-ten Saddam- oder Gaddhafi-Hinrichtungs-Filmchen abgehärmt war? Spannendere, schrecklichere, weitaus grausamere Filme kamen schon damals im TV – man denke nur an die vielen Stephen-King-Verfilmungen.

Mehr als nur ein Tatort

Das einzige Spannende am “Aktenzeichen XY” war die Tatsache, dass man nie wusste, ob der Mörder bis zur nächsten Sendung aufgrund sachdienlicher Hinweise festgenommen werden kann oder nicht. Das einzig Spannende? Mitnichten: Der Kommentatort erinnert sich an Notizblöcke, vollgeschrieben mit den Autonummern gesuchter Verbrecher, an Feldstecher, Walkie-Talkies und daran, ganze Nachmittage auf Autobahnbrücken zu stehen und Autonummern abzulesen, abzugleichen. Das war echte Spannung, TV griff ins Leben über, hörte nach Sendeschluss noch lange nicht auf. Dies wurde zwar unlängst auch versucht, im Odenwald-Tatort “Der Wald steht still und schweiget“. Dieser Tatort war endlich wieder mehr als nur ein Tatort, und der Film gab den Zuschauern ein Rätsel auf, welches man im ‚echten Leben’ aufklären konnte. Am Ende von „Der Wald steht still und schweiget“ wurde das mehr oder weniger geneigte Publikum angehalten, auf Facebook, Twitter und Co. weiter zu ermitteln: Walkie-Talkie, Autonummernliste und Feldstecher fanden in den Sozialen Medien ihre zeitnahe Entsprechung. Das war immerhin ein Versuch, über den einzelnen Film hinaus zu beschäftigen, zu bewegen; entsprechend positiv war der Grundtenor vieler Zuschauer und Nachermittler.

Quantität vor Qualität?

Doch das bleibt die Ausnahme. Gerade zurzeit scheint sich der Tatort quantitativ neu zu erfinden. Die neuen Teams schiessen nur so, jahreszeitlich passend, aus dem Boden. Die Teams werden grösser, sei es nun mengenmässig, wenn plötzlich zwei, drei, vier, viele Ermittler sich um neunzig Minuten Sendezeit balgen. Oder sei es grösser im Sinne von: gross-grösser-am-grössten, wenn ein Supi-Dupi-Mega-Film-Film-Star unter dem Vorwand, den neuen Hamburger Tatortkommissar zu geben, ein bedingungsloses Grundeinkommen zugeschanzt bekommt, welches der „Bewegte Mann“ selbstverständlich stante pede mit seiner eigenen Tochter teilt. Qualitativ halten viele Tatorte nicht mit dem Trend mit. Das einzig spannende an unzähligen heutigen Tatorten ist die Frage, welcher Ermittler wieder wie viel private Probleme verabreicht bekommt oder die Frage, ob das Opfer nun an einem Baukran aufgehängt, mit einem per Armbrust abgeballerten Skalpell erstochen oder mit betäubten Beinen als Nichtschwimmerin samt Rollstuhl nach einer Tollwutvergiftung ins Wasser geworfen wird. Schade, denn so muss das nicht sein. Es geht auch echter – echt zu echt, um echt zu sein. Freuen wir uns also auf kommenden Sonntag, wenn „Borowski und der freie Fall“ gesendet wird.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein. Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

One Response to Kommentatort 47

  1. Pingback: Kommentatort 48 » kommentatort.ch

Kommentar verfassen