Apropos: Tatort “Melinda”

Der neue Saarbrückner Kommissar Stellbrink zeigt in der ersten Folge, wie er gewickelt ist: in eine thailändische Wickelhose, die er auf seiner alten Vespa in den Wind hängt. Ausserdem treibt der Neue Joga zum Ausgleich und gibt Drolligkeiten von sich wie: “Ich habe in meinem Unterbewussten nachgeschaut”. Der Sauglattismus des dödelhaften Kommissars, der mit dem Charisma einer Topfpflanze durch seinen ersten Fall watschelt (in Gummistiefeln!) ist damit noch lange nicht ausgereizt. So darf er sich auch, auf der Flucht mit dem Mädchen Melinda, rumballernde Häscher im Nacken und zu blöd, um um Hilfe zu rufen, auf einem stillgelegten Märchenvergnügungspark tummeln und durch einen verwunschenen Wald straucheln.

Extreme Dödelhaftigkeit allenthalben

Melinda tut es ihrem Beschützer gleich; auch sie fällt von einem Extrem der Dödelhaftigkeit ins nächste. Von bösen nordafrikanischen Diplomaten als Bodypackerin missbraucht, lässt sie sich erst noch in einer Hanswurstiade durch einen Baumarkt jagen, ehe sie dem Zauber des verfallenen Märchenparks verfällt (derweil die Häscher näherkommen und schon Schüsse zu hören sind). Wenigstens hat sie die Geistesgegenwart, die tödlichen Kokainkugeln, die in ihrem Bauch sind, zur rechten Zeit wieder von sich zu geben und zu verstecken (damit sie wiederum vom Vorzeigedödel erneut verschluckt werden können). Ganz beachtlich übrigens das Packvolumen, welches die hiesigen Tatort-Macher so einem Kleine-Mädchen-Magen zutrauen.

Glucker, Schülertheater, Kickboxen

Stellbrinks Kollegin machts nicht besser. Es ist ja noch ganz nett, dass sie beim Kickboxen die Glucker von Staatsanwältin vermöbelt. Wie sie sich danach aber über den seltsamen neuen Kollegen hermacht, entbehrt jedes übers Schülertheater hinausgehenden Schauspielernwollens. Hier wird dermassen einstudiert gegrinst und die Lippen verzogen, dass man sich nur an den Kopf langen kann.

Ein Lichtblick namens Margot Müller

Der einzige Lichtblick des Tatort “Melinda” heisst Margot Müller und spielt eine Nebenrolle. Stellbrink lässt sich von ihr, nachdem er die entführte Melinda zurückentführt, vom Tatort kutschieren. Wie sich herausstellt, ist Müller Krimiexpertin. Seit Jahrzehnten, so versichert sie, habe sie jeden Krimi verschlungen und geschaut. In ihrem Anwesen ereignen sich die einzigen ansehnlichen Szenen des Films. Wie Müller den Kommissar zum Ermitteln zwingt, ist herrlich.

Die Krux des ersten Tatort

Gerechterweise muss man dem neuen Team den Krux-des-ersten-Tatorts-Bonus zugestehen. Wenn man sich künftig vom Münsteraner Klamauk weg orientiert und vermehrt auf erkennbare Krimihandlung baut, kann das schon noch was werden. Aber beim Tatort “Melinda” drängt sich der Eindruck auf, als habe man Nebelkerzen gezündet, damit man den Tatort als abverreckte Komödie, dilletantisches Agentenstück oder Schnarch-Thriller verurteilt, und weniger wegen der absolut dürftigen Krimihandlung.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein. Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

Kommentar verfassen